Filmstaub Altes Gaswerk

Serie von 40 Schwarzweißfotografien 1982/83, digitale Entwicklung der beschädigten Negative, 2014, je 32 x 20 cm

1982/83 fotografierte die Künstlerin auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Berlin-Prenzlauer Berg.
Die Abrissarbeiten hatten gerade begonnen. Nach und nach wurden Wasserturm, Anlagen, Schornstei¬ne und schließlich die denkmalwürdigen Gasometer gesprengt. Das Wohngebiet „Thälmannpark“ ent¬stand – mit dem bis heute existierenden riesigen stählernen Thälmanndenkmal, das 1982 schon einmal als Modell aus Stoff im Maßstab 1 : 1 aufgebaut worden war.

Aus Anlass des Jubiläums (30 Jahre Sprengung der Gasometer und Bürgerproteste im Prenzlauer Berg) hat Betina Kuntzsch ihre Negative neu gesichtet und die Bilder ausgewählt, die falsch belichtet oder ungenügend entwickelt waren. Diese im Negativ kaum ahnbaren Motive wurden digital verstärkt. Mit den Gebäuden werden so auch Filmschmutz, Staub, Kratzer, Wasserflecke oder Risse in der Filmschicht sichtbar.

Fotos

Filmstaub Altes Gaswerk. Ein Ausstellungstitel, der Rätsel aufgibt. Mit dem alten Gaswerk ist die IV. Berliner Gasanstalt gemeint, die 1873 ihren Betrieb in Prenzlauer Berg aufnahm und den Bezirk 108 Jahre lang mit Leucht- und Stadtgas versorgte. Und natürlich mit Ruß und diversen anderen Umweltgiften. Letzteren weinte niemand eine Träne nach. Doch die drei Gasometer, einer davon mit beeindruckender Kuppel, prägten das Stadtbild und wurden für die Bewohner zu einem Wahrzeichen. Aber wie kommt der Filmstaub ins Alte Gaswerk? Das weitläufige Industriegelände diente zwar auch als Filmkulisse, speziellen Filmstaub brauchten die Szenenbildner an diesem Ort aber wohl kaum. Auf drei Fotografien sehen wir zurückgelassene Requisiten. Im Moment der Aufnahme selbst schon zum Relikt geworden. Wie die Litfaßsäule vor der „Metallwerkstatt“, der sogenannten UTP-Baracke, in der auch Betina Kuntzsch als Schülerin Unterricht in der technischen Produktion erhielt. Ein weiteres Requisit war der Oldtimer, zu sehen in dem „Filmkulisse“ betitelten Bild und daneben in „Oldtimer“, wo er nur schemenhaft noch zu erahnen ist. Gerade so, als wäre er eingetaucht in schwarzen Filmstaub.

Natürlich geht es nicht um den handelsüblichen, mineralischen Gesteinsstaub, der für Staubeffekte und Explosionen auf Bühnen, beim Film oder Fernsehen eingesetzt wird. Die Künstlerin verleiht dem Begriff eine eigene Bedeutung und visualisiert den Staub, der sich in die Filmschicht eingelagert hat. Wischt ihn nicht hinweg, sondern macht ihn bewusst sichtbar und damit auch die Zeit.

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Ausstellungen

Filmstaub Altes Gaswerk, Galerie Mönch Berlin, 6. Europäischer Monat der Fotografie Berlin, 2014